Breslau (polnisch: Wrocław, ausgesprochen „Wrotzwav“) überrascht viele Besucher: Wer eine verschlafene Mittelstadt erwartet, findet stattdessen eine lebhafte Studentenstadt mit einem der schönsten Marktplätze Europas, 112 Brücken über die Oder und über 600 kleinen Bronzezwergen, die sich durch das gesamte Stadtbild verteilen. Die viertgrößte Stadt Polens verbindet deutsche, böhmische und polnische Geschichte mit modernem Kulturbetrieb – und lässt sich von Deutschland aus bequem erreichen.

Die Altstadt von Breslau: Rynek, Zwerge und Dominsel
Das Zentrum des Stadtlebens ist der Rynek – mit 205 × 175 Metern einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Europas. Bunte Patrizierhäuser (in Breslau „Hanseln“ genannt), Straßencafés und das gotische Rathaus (Ratusz) mit seiner astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert prägen das Bild. Das Rathaus beherbergt heute ein Stadthistorisches Museum; der Eintritt kostet 15 Złoty. Direkt nebenan liegt der Plac Solny (Salzmarkt) mit seinen 24-Stunden-Blumenständen – auch nachts belebt.
Wer den Blick von oben sucht: Der Turm der St. Elisabethkirche ist 91 Meter hoch und bietet eine 360-Grad-Aussicht über die Innenstadt. Geöffnet Mo–Sa 9–16 Uhr, So 13–16 Uhr. Kurz vor Sonnenuntergang ist der Ausblick besonders eindrucksvoll.
Wenige Gehminuten vom Rynek entfernt liegt die Dominsel (Ostrów Tumski) – die historisch älteste Siedlungsinsel der Stadt. Die gotische Johanneskathedrale (erbaut 1244–1341) ragt mit 98 Meter hohen Türmen über die Oder. Ein Aufstieg lohnt sich: 8 Złoty, Blick über ganz Breslau.
Über die ganze Stadt verteilt sind die berühmten Breslauer Zwerge (Krasnale): über 600 kleine Bronzefiguren, jede ein Unikat. Sie entstanden als Symbol der antikommunistischen Bewegung „Orangene Alternative“ der 1980er-Jahre und sind heute eine der liebsten Attraktionen der Stadt – besonders für Familien mit Kindern.

Kulturelle Highlights: Panorama, Universität und Jahrhunderthalle
Das beeindruckendste Kulturerlebnis der Stadt ist das Panorama Racławicka: ein 15 × 114 Meter großes Rundgemälde, das die polnische Unabhängigkeitsschlacht von 1794 zeigt – einzigartig in Europa. Eintrittspreis ca. 35 Złoty, Vorab-Buchung empfohlen.
Die Universität Breslau (Uniwersytet Wrocławski) wurde 1702 von Kaiser Leopold gegründet; neun Nobelpreisträger haben hier studiert, darunter Alois Alzheimer. Das Hauptgebäude ist als Museum geöffnet. Der Höhepunkt ist die Aula Leopoldina – ein barocker Prachtsaal mit vergoldeten Stuckdekorationen und restaurierter Deckenmalerei, erbaut 1728–1732.
Etwas außerhalb des Zentrums steht die Jahrhunderthalle (Hala Stulecia) – ein UNESCO-Welterbe mit imposanter Betonkuppel, heute Konzert- und Veranstaltungsort. Im Scheitniger Park daneben befindet sich auch ein botanischer Garten mit Bauhaus-Architektur aus den 1930er-Jahren.
Wer Kreativwirtschaft und Stadtgeschichte kombinieren möchte, besucht das Nadodrze-Viertel: ein ehemaliges Industriequartier mit Street-Art, kleinen Cafés und Galerien. An den Hausfassaden blättern stellenweise die Übermalungen kommunistischer Zeit ab – darunter werden alte deutschsprachige Firmenschilder sichtbar.
Essen und Trinken in Breslau
Die Breslauer Küche ist deftig und bodenständig – stark von der schlesischen Tradition geprägt. Typisch sind Pierogi (gefüllte Teigtaschen), Żurek (saure Roggensuppe mit Ei und Wurst) und Gołąbki (Kohlrouladen). In der Hala Targowa (Markthalle, ul. Piaskowa 17) gibt es regionale Produkte und Straßenessen direkt vom Markt.
Rund um den Rynek hat sich eine dichte Café- und Barszene entwickelt. Empfehlenswert zum Frühstück: das Kwiaty Kawy i Inne am Plac Kościuszki 12 – bekannt für seine blumige Innendekoration und hervorragende French Toasts. Das Nachtleben konzentriert sich auf den Rynek selbst und die umliegenden Gassen; Breslau ist eine ausgeprägte Studentenstadt mit entsprechend lebhafter Bar-Kultur.
Ausflüge in die Umgebung
| Ausflugsziel | Entfernung | Highlight |
|---|---|---|
| Kloster Leubus (Lubiąż) | ca. 60 km | Einer der größten Klosterkomplexe Europas, barocke Innenhöfe und Kirche |
| Friedenskirche Schweidnitz (Świdnica) | ca. 60 km | Größte Holzfachwerk-Kirche Europas, UNESCO-Weltkulturerbe |
| Friedenskirche Jauer (Jawor) | ca. 75 km | Zweite der Schlesischen Friedenskirchen, UNESCO-Weltkulturerbe |
| Milicz | ca. 60 km | Teichlandschaft und Naturschutzgebiet, ideal für Fahrradtouren |
✅ Praktische Tipps für deinen Breslau-Besuch
- 2 Tage reichen für die wichtigsten Highlights. Mit 3 Tagen bleibt Zeit für Nadodrze und einen Tagesausflug.
- Panorama Racławicka unbedingt vorab online buchen – die Kapazität ist begrenzt.
- Zu Fuß kommt man in der Altstadt gut klar. Für die Jahrhunderthalle empfiehlt sich die Straßenbahn (Tram 1, 2 oder 10 ab Rynek).
- Weihnachtsmarkt: Breslaus Weihnachtsmarkt auf dem Rynek gilt als einer der schönsten in Polen – Besuch lohnt sich im Dezember.
- Zwerge-App: Es gibt offizielle Apps und Karten für die Krasnale-Suche – ideal für Familien mit Kindern.
FAQ: Häufige Fragen zu Breslau
Wie viele Tage sollte ich für Breslau einplanen?
Zwei Tage reichen für die Altstadt, die Dominsel und ein kulturelles Highlight wie das Panorama Racławicka. Wer auch Nadodrze erkunden oder einen Tagesausflug ins Umland machen möchte, sollte drei Tage einplanen.
Wie komme ich von Deutschland nach Breslau?
Mit dem Zug ab Dresden (über Görlitz, ca. 3 Stunden, Trilex-Bahn) oder ab Berlin (ca. 4,5 Stunden, Eurocity Wawel). Mit dem Auto von Görlitz aus ca. 1,5 Stunden. Es gibt auch Direktflüge zum Flughafen Wrocław (WRO).
Brauche ich in Breslau Bargeld?
Kartenzahlung ist fast überall akzeptiert. Für kleinere Märkte oder spontane Ausgaben ist etwas Złoty-Bargeld trotzdem praktisch. Wechselstuben gibt es in der Innenstadt, die Kurse variieren – Vergleich lohnt sich.
Wann ist die beste Reisezeit für Breslau?
Mai bis September bieten angenehme Temperaturen für Spaziergänge. Der Breslauer Weihnachtsmarkt im Dezember ist ebenfalls sehr empfehlenswert. Im Januar und Februar ist es ruhig, aber auch kalt.
Weiterführende Quellen
Zuletzt aktualisiert am 11/03/2026
