Posen (polnisch: Poznań) gehört zu den ältesten Städten Polens – und ist gleichzeitig eine der lebendigsten. Die Metropole an der Warthe war Wiege des polnischen Staates, Handelsmetropole der Hanse und preußische Residenzstadt. Heute ist sie Universitätsstadt, Messestandort und Kulturzentrum. Was Posen von anderen polnischen Städten unterscheidet: das täglich um 12 Uhr stattfindende Ritual der Ziegenböckchen am Rathausturm, das legendäre St.-Martins-Hörnchen und eine Altstadt, die trotz Tourismus ihr echtes Stadtleben behalten hat.

Marktplatz von Poznań bei Tag
Der Alte Markt in Posen, gegründet im 13. Jahrhundert, ist einer der größten Marktplätze Europas und bekannt für das Renaissance-Rathaus mit der legendären Ziegenböckchen-Uhr. (Bild: Pixabay)
📍 Posen auf einen Blick
🗓️ Beste Reisezeit Mai – September · 11. November (Martinstag & Rogal-Fest)
🕐 Aufenthalt 2–3 Tage empfohlen
🚆 Zug Ab Berlin Hbf Direktzug (EC) ~2:40 Std. · bis zu 7x täglich · Tickets ab ~20 €
🚗 Auto Ab Berlin ~2,5 Std. über A12 → Grenzübergang Świecko → A2 Richtung Poznań
✈️ Flughafen Poznań-Ławica (POZ), ~7 km vom Zentrum · Bus 59 oder Taxi (~15 Min.)
💳 Währung Polnischer Złoty (PLN) · Kartenzahlung fast überall möglich

Altstadt und Rathausplatz: Ziegen, Patrizierhäuser und Dominsel

Das Zentrum von Posen ist der Alte Markt (Stary Rynek) – einer der größten und schönsten Renaissance-Marktplätze Europas. Farbenfrohe Patrizierhäuser, Straßencafés und das gotisch-Renaissance-Rathaus (Ratusz) aus dem 16. Jahrhundert prägen das Bild. Das Rathaus gilt als eines der bedeutendsten Renaissancegebäude nördlich der Alpen.

Jeden Tag Punkt 12 Uhr lockt ein ungewöhnliches Spektakel Hunderte Besucher auf den Platz: Zwei mechanische Ziegenböckchen erscheinen im Turm und stoßen zwölf Mal die Köpfe zusammen. Die Legende dahinter: Im 16. Jahrhundert soll ein Koch kurz vor einem Festbankett zwei Ziegen verloren haben, die anschließend aufs Rathausdach kletterten. Zur Erinnerung ließ die Stadt die Figuren im Turm installieren – heute das bekannteste Wahrzeichen der Stadt.

Wenige Gehminuten entfernt liegt die Dominsel (Ostrów Tumski) – die älteste Siedlungsinsel Posens und die Wiege des polnischen Staates. Die Kathedrale der Heiligen Petrus und Paulus ist die älteste Kathedrale Polens; in der Goldenen Kapelle ruhen Mieszko I. und Bolesław der Tapfere, die ersten polnischen Herrscher. Die Dominsel ist ruhiger und weniger touristisch als der Rynek – ideal für einen Spaziergang am frühen Morgen.

Auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Altstadt passiert man den Kaiserpalast (Zamek Cesarski) – ein imposanter Bau im preußisch-romanischen Stil, erbaut 1910 für Kaiser Wilhelm II. als Residenz in der damals deutschen Stadt Posen. Heute ist der Palast ein Kulturzentrum mit Konzerten, Ausstellungen und Theateraufführungen.

Kutsche auf dem Alten Markt in Posen
Kutsche auf dem Alten Markt in Posen (Bild: Pixabay)

Kultur: Oper, Malta-Festival und Wieniawski

Posen ist eine der wenigen polnischen Städte mit einem eigenen Opernhaus auf internationalem Niveau. Das Große Theater (Teatr Wielki) an der ul. Fredry bietet Oper, Ballett und Konzerte auf hohem Niveau – Tickets sind deutlich günstiger als in westeuropäischen Opernhäusern.

Ein jährliches Highlight ist das Malta Festival im Juni: eines der größten internationalen Theaterfestivals Mitteleuropas. Avantgardistische Aufführungen aus Tanz, Theater, Musik und Performance füllen Bühnen, Parks und öffentliche Räume der ganzen Stadt. Das Nationalmuseum (Muzeum Narodowe) besitzt eine bedeutende Sammlung polnischer und europäischer Malerei vom Mittelalter bis zur Moderne.

Posen ist außerdem Geburtsstadt von Henryk Wieniawski (1835–1880), einem der größten Violinvirtuosen des 19. Jahrhunderts. Alle fünf Jahre findet hier der internationale Henryk-Wieniawski-Wettbewerb statt – ein wichtiges Ereignis der klassischen Musikwelt mit Teilnehmern aus aller Welt.

Das Rogal Świętomarciński: Posens berühmtestes Gebäck

Wer Posen besucht, muss das Rogal Świętomarciński probieren – ein halbmondförmiges Hörnchen, gefüllt mit weißem Mohn, Nüssen, Mandeln und Trockenfrüchten. Die Legende besagt, dass ein Bäcker im Traum vom Heiligen Martin inspiriert wurde, Hörnchen in Hufeisenform zu backen und sie an Arme zu verteilen. Heute ist das Rogal EU-geschützt und darf nur von zertifizierten Bäckern nach Originalrezept hergestellt werden.

Höhepunkt ist der 11. November (Martinstag): Zum Namenstag des heiligen Martin findet auf der ul. Święty Marcin ein großes Straßenfest statt, bei dem traditionell Rogale verteilt werden und die ganze Stadt nach warmem Teig duftet. Im Croissant-Museum (Rogalowe Muzeum Poznania) am Stary Rynek 41 kann man nicht nur die Geschichte des Gebäcks erleben, sondern auch selbst einen Rogal backen.

Viertel und Geheimtipps

Der Jeżyce-Distrikt westlich der Altstadt ist Posens kreatives Viertel: Jugendstilhäuser, Secondhand-Läden, Buchcafés und kleine Restaurants machen ihn besonders bei Studenten beliebt – und deutlich entspannter als der touristische Rynek. Das Palmenhaus (Palmiarnia Poznańska) an der ul. Matejki ist ein tropischer Glaspalast mit exotischen Pflanzen – ein Kontrast zum polnischen Klima und besonders im Winter ein lohnenswerter Besuch.

Der Cytadela-Park auf dem ehemaligen preußischen Festungsgelände bietet weitläufige Grünflächen, Skulpturen und Kriegsdenkmäler – ideal für einen Spaziergang zwischen zwei Stadtbesichtigungen. Wer noch mehr Süßes sucht: Das Schokoladenmuseum (ebenfalls am Stary Rynek) bietet Verkostungen und Workshops.

Ausflüge in die Umgebung

Schloss Kórnik

Das neugotische Schloss in Kórnik mit seiner berühmten Bibliothek und einem botanischen Garten voller Rhododendren und Azaleen. (Bild: Pixabay)
Ausflugsziel Entfernung Highlight
Kórnik ca. 20 km Neugotisches Schloss mit bedeutender Bibliothek und Arboretum – im Frühling besonders schön
Rogalin ca. 18 km Barockschloss mit Kunstgalerie und drei monumentalen Eichen (Lech, Czech, Rus)
Lednica ca. 40 km Insel im Lednicasee mit Resten der Piastenburg – vermutlicher Taufort Polens um 966
Gniezno ca. 50 km Erste Hauptstadt Polens, Kathedrale mit Bronzetüren aus dem 12. Jh., Schatzkammer
✅ Praktische Tipps für deinen Posen-Besuch
Ziegenböckchen: Um 12 Uhr mittags am Rathausturm sein – die Figuren erscheinen pünktlich und das Schauspiel dauert nur wenige Minuten.
Rogal Świętomarciński gibt es das ganze Jahr in Posener Bäckereien – aber am 11. November schmeckt er besonders gut.
Direktzug ab Berlin: Der Eurocity fährt täglich mehrmals direkt in ~2:40 Std. – keine Buchung über polnische Portale nötig, DB-Tickets gelten.
Croissant-Museum: Back-Workshops sind schnell ausgebucht – am besten vorab online reservieren.
Messe-Termine meiden: Posen ist ein wichtiger Messestandort. An Messetagen sind Hotels deutlich teurer und früher ausgebucht.

FAQ: Häufige Fragen zu Posen

Wie komme ich von Deutschland nach Posen?
Der bequemste Weg ist der Direktzug: Der Eurocity fährt ab Berlin Hauptbahnhof täglich bis zu siebenmal direkt nach Posen – Fahrzeit ca. 2 Stunden 40 Minuten, Tickets ab ca. 20 €. Mit dem Auto geht es ab Berlin über die A12 und den Grenzübergang Świecko auf die A2 in ca. 2,5 Stunden.

Was sind die Ziegenböckchen und wann erscheinen sie?
Die Ziegenböckchen sind zwei mechanische Figuren im Turm des Posener Rathauses, die täglich Punkt 12 Uhr mittags erscheinen und zwölf Mal die Köpfe zusammenstoßen. Das Spektakel geht auf eine Legende aus dem 16. Jahrhundert zurück und ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt.

Was ist das Rogal Świętomarciński?
Das Rogal Świętomarciński ist ein EU-geschütztes Gebäck aus Posen – ein halbmondförmiges Hörnchen mit Mohn-Nuss-Füllung, das traditionell zum Martinstag am 11. November gegessen wird. Es darf nur von zertifizierten Posener Bäckern nach Originalrezept hergestellt werden.

Wie viele Tage brauche ich für Posen?
Zwei Tage reichen für Altstadt, Dominsel und ein Kulturhighlight. Mit drei Tagen ist Raum für einen Ausflug nach Kórnik oder Gniezno und einen entspannten Bummel durch den Jeżyce-Distrikt.

Weiterführende Quellen

Zuletzt aktualisiert am 11/03/2026